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Anleger

Der größte Vermögenstransfer der modernen Geschichte

Die Vermögensübertragung ist eine zutiefst persönliche, emotionale und komplexe Reise. Worauf es dabei ankommt, zeigt eine Umfrage.

In den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten werden weltweit schätzungsweise 83 Billionen US-Dollar an Privatvermögen den Besitzer wechseln. Nach Einschätzung der UBS handelt es sich dabei um den „größten Vermögenstransfer der modernen Geschichte“.

Getrieben vom demografischen Wandel, einer steigenden Lebenserwartung sowie jahrzehntelang steigenden Vermögenspreisen, werde dieser Wandel die Vermögenslandschaft, wie wir sie kennen, grundlegend neu gestalten, heißt es im Global Next Generation Report, den die Bank nun vorgelegt hat.

Den Familien geht es bei diesem Übergang nicht allein um die Bewegung von Kapital. Sondern auch um die Übertragung von Verantwortung, Entscheidungsgewalt und langfristiger Fürsorge über Generationen hinweg.

Erste Teilnahme an Anlagebesprechungen und wachsende Verantwortung

Für die nachfolgende Generation der Erben beginne dieser Prozess selten mit der formellen Übernahme von Vermögenswerten. Typischerweise setze er bereits früher ein – durch die Teilnahme an Familiengesprächen, die Einbindung in Governance-Strukturen oder durch wachsende Verantwortlichkeiten innerhalb eines Familienunternehmens oder eines Investitionsrahmens, heißt es.

In diesem Sinne ist die Vermögensübertragung nach Auffassung der UBS kein einmaliges Ereignis. Vielmehr muss man sich die Entwicklung wie eine Reise vorstellen, die sich im Laufe der Zeit entfaltet und sowohl von strukturellen Entscheidungen als auch von persönlichen Erfahrungen geprägt wird.

Laut dem UBS-Report beziehen Eltern die nächste Generation häufig schon frühzeitig in das Geschehen ein: Sie bitten sie, kleinere Vermögensbestände zu verwalten, bei der Leitung einzelner Unternehmensbereiche mitzuwirken oder an Anlagebesprechungen teilzunehmen.

Auf diese Weise soll die junge Generation beispielsweise lernen, Entscheidungen abzuwägen. Es geht aber auch um den Umgang mit Rückschlägen und die Gestaltung des weiteren Weges. Lange bevor die Eigentumsverhältnisse auf dem Papier wechseln, achten die Eltern laut dem Report im alltäglichen Handeln auf Urteilsvermögen, Weitsicht und Engagement.

Vor diesem Hintergrund sieht die Schweizer Großbank in der Vermögensübertragung mehr als ein finanzielles Ereignis; „sie ist eine zutiefst persönliche, emotionale und zunehmend komplexe Reise“, wie Benjamin Cavalli im Vorwort des Global-Next-Generation-Reports schreibt. Darin macht der Head of Strategic Clients & Global Connectivity bei UBS Global Wealth Management deutlich, dass die nächste Generation nicht nur das Vermögen ihrer Familie erben, sondern auch Märkte, Institutionen und gesellschaftliche Prioritäten auf Jahre hinaus beeinflussen wird.

Die Vorbereitung der nächsten Generation auf künftige Rollen bei der Verwaltung des Familienvermögens hat für viele Familien – insbesondere für solche mit unternehmerischem Hintergrund – höchste Priorität, sagt Anastasia Deryagina Head of Global Next Generation Solutions, UBS Global Wealth Management.

Warum die Kommunikation so wichtig ist

Die Vermögensübertragung in Familien wird weltweit weithin ebenso sehr als ein Wandel der Verantwortung verstanden wie als eine Übertragung von Vermögenswerten. Eine frühzeitige und offene Kommunikation gilt dabei als der Schlüssel zu einer effektiven Vermögensübertragung.

Laut UBS ist mehr als die Hälfte der nachfolgenden Generation der Ansicht, dass diese Gespräche bereits im Kindes- oder Jugendalter beginnen sollten. Wer früher damit beginne, erlebe tendenziell einen reibungsloseren Übergang von Verantwortung und Vermögen, heißt es.

Dennoch kommt es zu Spannungen – insbesondere im Hinblick auf familiäre Erwartungen und Kommunikationslücken. Das Brechen des Schweigens und die Förderung eines fortlaufenden Dialogs zwischen den Generationen gelten als unerlässlich, um Rollen zu klären und das familiäre Erbe mit dem eigenen Weg der nächsten Generation in Einklang zu bringen.

„Die heutige nächste Generation ist global vernetzt, besser ausgebildet und unabhängiger als jede Generation vor ihr“, sagt Michael Viana, Leiter Wealth Transfer & Networks und Client Office im UBS Global Wealth Management. Was sich jedoch nicht geändert habe, sei ihr Bedürfnis nach regelmäßiger generationsübergreifender Kommunikation, einem offenen Dialog bei der Vorbereitung der Vermögensübertragung sowie dem Vertrauen in ihre Fähigkeiten, „aus eigener Kraft erfolgreich zu sein“.

Der Weg zum Family Office

Mit der Weiterentwicklung von Familienstrukturen gewinnt laut UBS die Vermögensverwaltung zunehmend an Institutionalisierung – so erfolge bei fast vier von zehn Familien die Verwaltung über ein Single Family Office.

Traditionelle Anlageklassen bilden weiterhin den Kern der Portfolios, während das Interesse an neueren Anlageformen eher verhalten ausfällt; die nachfolgende Generation treibt hingegen das Interesse an Nachhaltigkeit und Impact Investing stark voran.

Für den Global Next Generation Report hat die UBS im Mai 2025 und zum Jahreswechsel 2025/26 weltweit Angehörige der nächsten Generation in zwei separaten Untersuchungen befragt. Sie decken das gesamte Altersspektrum von unter 21 bis über 45 Jahren ab, wobei die Mehrheit zwischen 26 und 40 Jahre alt ist. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten ist bereits im familiären Ökosystem aktiv und arbeitet entweder im Familienunternehmen oder im Family Office.

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