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Aktien

„Meine Life Time Passion ist Investieren“

Urs Wietlisbach wurde als Partners-Group-Gründer auch an Erfahrungen reich. In seinen Erfahrungsschatz gab er auf der BAIC Einblick zu seinem Family Office und Impact Investments.

Auf der diesjährigen Alternative Investor Conference des BAI waren nicht nur viele Finanzinnovationen von vielen Asset Managern zu erleben, sondern auch die Schweizer Finanzprominenz: Urs Wietlisbach, Mitgründer der Partners Group, gab sich die Ehre – und sich selbst als Meister der Finanzinnovationen zu erkennen. Einfallsreichtum ist aber auch eine wichtige Eigenschaft, um einen Private-Markets-Spezialisten mit über 300 Milliarden Dollar an AuM und im eigenen Family Office einen Impact Manager mit 1,6 Milliarden Dollar an AuM zu erschaffen und selbst zum Milliardär zu werden.

„Wir mussten vieles neu und anders machen, weil die Amis den Markt schon besetzt hatten“, blickte Wietlisbach auf die Gründung der Partners Group Ende der 1990er Jahre zurück. Als damalige Innovationen nannte er Secondarys und Evergreens sowie den ersten IPO eines Private-Equity-Unternehmens. Der Börsengang erfolgte 2006, die Aktien wurden zu 63 Franken ausgegeben und notieren heute bei etwa 900 Franken.

Nicht ganz so hohe Multiples wie die Partners-Group-Aktionäre der ersten Stunde (geschweige denn die Gründer) konnten die Kunden der Partners Group einfahren. Die Multiples der Private-Equity- und Infrastrukturfonds liegen Ende 2025 bei 2,3x und 2,2x. Die IRR von Private Equity liegt bei 19,8 Prozent und für Infrastructure bei geringerem Risiko (!) sogar bei 20,8 Prozent – sehr zum Stolz der Infra-Spezialisten, wie Wietlisbach aus dem Innenleben der Partners Group erzählte. „Denen sag ich aber auch, dass sie es viel einfacher haben, gute Renditen zu erzielen.“

Die PG3-Investmentstrategie: Nie Geld verlieren!

Außerdem bewirtschaftete der Asset Manager bislang Private Credits und Real Estate. Als fünfte Asset-Klasse kamen jüngst noch – Achtung Innovation! – Royalties hinzu. Inkubator für diese Asset-Klasse war das Family Office PG3. Die PG3 AG stellt sich selbst vor als das Family Office der Partners-Group-Gründer und als Investor für unkorrelierte Renditen. Anlass der Einrichtung des Family Office war der durch den IPO ausgelöste Cash Event der drei Gründer des Private-Markets-Spezialisten Fredy Gantner, Marcel Erni und Wietlisbach, die allerdings heute noch die größten Shareholder sind. Obwohl von Haus aus Langfristinvestor machte Letzterer in Frankfurt unmissverständlich folgende Investment-Strategie von PG3 klar: „Unser eigenes Family Office soll in unkorrelierte Assets investieren und auf Jahressicht keinen Verlust machen. Ohne Ausrede: Nie Geld verlieren!“

Nicht bewährt hat sich für dieses Anlageziel Trade Finance. In diesem Sektor hätte man es nicht nur mit Marktteilnehmern der Kategorie „ehrbarer Kaufmann“ zu tun, teilte Wietlisbach sinngemäß mit. „Und dabei haben wir noch nicht mal mit der Greensill Bank investiert.“ In anderen Nischen wurde man jedoch fündig. 2013 investierte das Family Office in Insurance Finance, also in Run-off-Portfolios von Lebensversicherungen. Bei solchen Transaktionen gibt eine Lebensversicherung ihre Assets und Verbindlichkeiten zur effizienteren Bewirtschaftung an einen Investor ab. „Für die Versicherung ist ein Run off attraktiv, weil die Equity-Belastung wegfällt. Für uns ist ein Run-off attraktiv, weil wir mit Discount einkaufen und regulatorisch kein Equity zur Unterlegung benötigen. Ein ALM ist ausreichend, auch was Zinsänderungen betrifft.“ Die Renditen im Insurance Finance gibt Wietlisbach mit zehn bis zwölf Prozent an. Zwei Jahre später engagierte sich PG3 auf dem Feld der Litigation Finance, also der Finanzierung von Rechtsfällen. Hier konnten nach Angaben von Wietlisbach pro Jahr neun Prozent netto erwirtschaftet werden.

Diversifikation gesucht und in drei Nischen gefunden

2019 widmetes sich PG3 wiederum einer neuen Asset-Klasse: Royalty Finance. Auf diesem Feld erwirbt der Investor die Lizenzgebühren eines Unternehmens oder Künstlers. Diese wiederum verpflichten sich, einen Prozentsatz ihrer künftigen Einnahmen oder Gewinne an den Investor beziehungsweise den Lizenzgebührenempfänger zu entrichten. „Wir bekommen einen Prozentsatz von den Revenues“, bestätigte Wietlisbach und fügte hinzu, dass diese Einkünfte indexiert seien. Wichtig sei eine breite Sektorstreuung. Ein Multisektor-Ansatz ist in dieser Nische auch gut möglich, da man Lizenzen beispielsweise sowohl in der Pharmabranche als auch von Künstlern in der Musikbranche kaufen kann. Bei Musikern besteht übrigens das Copyright des Royalty-Inhabers an dessen Werken nach dem Ableben des Künstlers noch 70 Jahre lang fort.

Der Proof of Concept für keinerlei Verlusttoleranz kam im Jahr 2022. Wietlisbach: „Alle drei Strategien konnten sich beweisen und lagen im positiven Bereich.“ Obwohl in Royalty Finance nicht viel Geld reinpasst, öffnet die Partners Group nun auch ihren Kunden die Strategie, die sich im Family Office bewährt hat. Ende des vergangenen Jahres lagen die Royalty-AuM verteilt auf 45 Investments bei über einer Milliarde Dollar. Den Royalties Track Record gibt die Partners Group mit einem ungehebelten IRR von 14,3 Prozent an. Dieser inkludiert das Portfolio der Royalty Investments der PG3 AG.

„Kapitalismus muss nachhaltig sein“

Für die Partners Group im eigenen Family Office eine neue Asset-Klasse aufzubauen, zeigt, dass es den Gründern in der eigenen Vermögensverwaltung – trotz Zero-Verlusttoleranz – nicht nur darum geht, das eigene Vermögen zu erhalten. „Meine Life Time Passion ist Investieren“, so der 1961 geborene Wietlisbach mehrmals. Die Leidenschaft zeigt sich auch noch in einer weiteren Episode. Neben Partners Group und PG3 gibt es nämlich noch die von ihm und seiner Gattin Simone 2021 gegründete Ursimone Wietlisbach Foundation, „20 Prozent meines Vermögens bekommen meine zwei Söhne – das ist genug. Der Rest geht an die Ursimone Wietlisbach Foundation.“ Diese hat sich voll und ganz dem Impact Investing verschrieben. In einem Interview mit einer Gesellschaft des Kantons Tessin sagte Wietlisbach: „Was mir heute am wichtigsten ist, ist, dass Kapital nicht nur Rendite abwirft, sondern auch einen Sinn erfüllt. Der Kapitalismus muss sozial und ökologisch nachhaltig sein – andernfalls führt er zu Konflikten. Diese Überzeugung ist es, die mich heute antreibt. Ich wünsche mir, dass mehr Stiftungen, Family Offices und andere Kapitalgeber beginnen, ihr Vermögen nachhaltig und wirkungsorientiert zu investieren.“

Herausfordernd war zunächst, einen geeigneten Impact Manager zu finden. Da es am Markt kein passendes Angebot gegeben habe, griff Wietlisbach auf Reserven der Partners Group zurück. Engagiert beziehungsweise reaktiviert für die Gründung von Blue Earth Capital wurden (ehemalige) Manager der Partners Group. „Die können ja viel zu früh aus dem Berufsleben ausscheiden“, so Wietlisbach auf dem BAIC. Blue Earth bewirtschaftet heute das Stiftungsvermögen von über 250 Millionen Franken und insgesamt 1,7 Milliarden Dollar. Diese stammen größtenteils von externen Kunden. Zu diesen gehören der Staatsfonds Temasek, verschiedene Schweizer Investoren und aus Deutschland beispielsweise die BMW Foundation, das Stella Family Office und das Versorgungswerk der Ärztekammer Hamburg, das Mitte 2022 sein Impact-Investment-Debüt gab. Christoph Gerstberger, Geschäftsführer des Versorgungswerks der Ärztekammer Hamburg, sagte anlässlich des Investments: „Wir sind überzeugt, dass private Impact-Investments eine entscheidende Rolle in der Nachhaltigkeitsrevolution spielen. Dieser grundlegende Wandel wird auch bedeutende Geschäftsmöglichkeiten für die Zukunft eröffnen. Wir glauben, dass wir attraktive finanzielle Renditen für unsere Begünstigten erzielen und gleichzeitig einen erheblichen positiven sozialen und ökologischen Beitrag leisten können.“

Rendite und Wirkung

Diesen Glauben teilt definitiv Wietlisbach, der auf Renditen von neun und knapp zwölf Prozent mit Private Credits und Private Equity verweist. Als Beispiel für einen Kredit nannte er eine Fabrik in Ostafrika, in der Cashew-Nüsse verarbeitet werden, wobei der eigentliche Kreditnehmer in Singapur sitzt und Sicherungen stellt. „Außer uns wollte aber niemand eine Fabrik in Ostafrika finanzieren.“ Selbstredend ist auch Blue Earth innovativ unterwegs, was sich am Beispiel eines Impact Secondary Funds erkennen kann. Bei dessen First Close Anfang des Jahres war auch Stella dabei.

Impacts dürfte Wietlisbach auch dem sehr interessierten BAIC-Publikum in Frankfurt gegeben haben. Dieses kam in der Fragerunde aber auch auf die Aktien und den IPO zurück. Wietlisbach riet zum Kauf. „Die Dividendenrendite liegt bei über fünf Prozent – und das in Schweizer Franken.“ Zur Motivation für den damaligen Börsengang sagte er: „Wir haben die Mitarbeiter mit Anteilen bezahlt und dafür Löhne eingespart. Und die Mitarbeiter wollten sehen, was ihre Anteile tatsächlich wert sind“, so Wietlisbach. Nach dem IPO kamen auch noch weitere Finanzierungsvorteile hinzu. „Den ersten Kunden, zu denen auch die Nürnberger Versicherung zählte, haben wir Aktien gegeben – und dann mit diesen nie wieder über Fees mit uns reden lassen. Schließlich haben die als Aktionäre in der Folge schon sehr gut verdient.“ Wer von den Mitarbeitern übrigens auch vom IPO profitierte, war die Café-Fachkraft der Partners Group. „Unsere Café-Dame wurde durch den Börsengang zur Millionärin. Sie hat auch noch nie eine Aktie verkauft.“ Das Beispiel zeigt, dass man auch ohne große Innovationskraft reich werden kann.