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Aktien

Schluss mit subjektiven Nachhaltigkeitskennzahlen

Bloomberg und Effectual haben einen neuartigen Aktienindex entwickelt. Hierbei werden bislang nicht eingepreiste Faktoren finanziell bewertet.

Die wirtschaftliche Bewertung von Nachhaltigkeitsfragen in der Kapitalanlage entwickelt sich immer weiter und schafft zunehmend mehr Transparenz in den Anlageklassen. Gleiches gilt für darauf aufbauende Anlage- und Benchmark-Strategien – beispielsweise bei Aktien.

Effectual aus München, der auf nachhaltige Anlagen spezialisierte Arm des Wilsdorf Family Office Perpetual, hat den Indexspezialisten Bloomberg Indices mit der Konstruktion eines maßgeschneiderten und investierbaren Aktienindex beauftragt. Das Ergebnis trägt den Namen „Bloomberg European Equities Externality Efficient X Net Return Index“.

Der Index basiert laut einer Mitteilung von Bloomberg Indices, die unter dem Dach des gleichnamigen Nachrichten- und Datenanbieters operiert, auf dem proprietären, auf Externalitäten ausgerichteten Nachhaltigkeitsrahmenwerk von Effectual. Hierbei werden nicht eingepreiste Faktoren, wie ökologische und soziale Auswirkungen, finanziell bewertet. Marktteilnehmer sehen darin eine objektivere Alternative zu herkömmlichen ESG-Ratings.

Inkonsistente oder subjektive Nachhaltigkeitskennzahlen gelten als weit verbreitet

Viele Anlagestrategien stützen sich nach Angaben von Dr. Andreas Gintschel, Managing Director bei Effectual, auf inkonsistente oder subjektive Nachhaltigkeitskennzahlen. „Wir wollten einen maßgeschneiderten Index entwickeln, der etablierte ökonomische Theorien zu Externalitäten anwendet, um Nachhaltigkeitsaspekte direkt mit wirtschaftlicher Effizienz und langfristiger finanzieller Performance zu verknüpfen“, erklärt Gintschel den Hintergrund seiner Arbeit. „Die Zusammenarbeit mit Bloomberg hat es uns ermöglicht, unser Konzept in einem praxisorientierten, investierbaren Format umzusetzen.“

Der Index sei gezielt entwickelt worden, um die Nachhaltigkeitsziele von Effectual widerzuspiegeln. Die Grundlage bildet die Datenbank der Münchner über Externalitäten beziehungsweise externe Effekte. Darunter versteht man in der Volkswirtschaftslehre die Auswirkungen wirtschaftlichen Handelns auf unbeteiligte Dritte. Konkret geht es um Auswirkungen, die nicht über den Marktpreis ausgeglichen werden.

Die Datenbank umfasst laut Mitteilung mehr als 15.000 Unternehmen weltweit. Sie soll gemeldete physische Aktivitätsdaten mit Bewertungsfaktoren, die aus begutachteter, wissenschaftlicher Forschung stammen, verknüpfen. Und durch die Kombination der Kompetenzen von Bloomberg in den Bereichen Daten, Analytik und Indexkonstruktion mit der Nachhaltigkeitsexpertise von Effectual sei der Index darauf ausgelegt, Investitionsportfolios mit angestrebten ökologischen und sozialen Ergebnissen in Einklang zu bringen, heißt es.

Der Index kann als Benchmark für institutionelle Mandate, strukturierte Produkte oder Fondslösungen dienen, die auf einer ökonomisch fundierten Integration von Nachhaltigkeitsaspekten basieren. Schon heute dient er als Benchmark für einen Ucits-Fonds, der von Perpetual initiiert und vom britischen Finanzdienstleister L&G verwaltet wird.

Steigende Nachfrage nach geschneiderten Indizes

Die Entwicklung dieses individuellen Aktienindex verdeutlicht nach Einschätzung von Bloomberg den wachsenden Trend hin zu maßgeschneiderten Lösungen, die über herkömmliche Standard-Benchmarks hinausgehen. Gefragt seien flexible, transparente und skalierbare Indexlösungen, die den Anforderungen zunehmend spezialisierter Anlagestrategien und Marktexposures innerhalb der globalen Investment-Community gerecht werden.

Der Ansatz von Effectual

Effectual wurde von Perpetual sowie mit erfahrenen Investoren und Finanzökonomen gegründet. Das Unternehmen hat sich ein stringentes Investment Management auf die Fahne geschrieben, das langfristig und nachhaltig Wert schaffen soll. Der Ansatz der Münchner verbindet klassische Ökonomie mit moderner Portfoliotheorie, um Investmentstrategien abzuleiten, die auf Performance durch Nachhaltigkeit abzielen.

Dabei kommt folgende Methodik zum Einsatz: Effectual misst die Nachhaltigkeit von Unternehmen und Investitionen anhand der nachhaltigen Rendite. Diese soll die finanzielle Rendite um Externalitäten, also Kosten und Nutzen für Umwelt und Gesellschaft, korrigieren. Dafür nutzt das Team Methoden, die im öffentlichen Sektor etabliert sind, etwa beim Umweltbundesamt, der EU-Kommission oder der Weltbank.

„Werden Externalitäten internalisiert, beeinflusst die Nachhaltigkeit von Unternehmen deren zukünftige Profitabilität und Marktwerte“, erklären die Süddeutschen. „Investmentstrategien, die sich an der nachhaltigen Rendite orientieren, werden langfristig eine deutlich bessere Wertentwicklung aufweisen. Dies setzt jedoch das richtige Maß für Nachhaltigkeit voraus – Externalitäten.“