Herzlich Willkommen und herzlicher Glückwunsch: Mit der Gesellschafterfamilie von Boehringer Ingelheim hat die neue Reichstenliste des Manager Magazins nicht nur ein neues Mitglied, sondern gleich auch einen neuen Spitzenreiter. Die Manager-Magazin-Redaktion verweist auf eine neue Rechtslage, die es nun erlaube, diese Familie in die Liste aufzunehmen. Das Vermögen der Familie taxiert das Magazin auf stattliche 66,7 Milliarden Euro, was einen deutlichen Vorsprung auf Dieter Schwarz bedeutet, dessen Vermögen nur einen Pegelstand von 53,7 Milliarden Euro anzeigt. Dies sind aber immerhin etwa sieben Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Lachender Dritter ist Familie Merck: Schließlich hat sich deren Vermögen mit 50,7 Milliarden mehr als verdoppelt.
Auf den weiteren Plätzen folgen die üblichen Verdächtigen: Unsere Klattens und Quandts, Albrechts und Heisters, Reimanns und Henkels. Selbstverdient an der Reichstenliste-Spitze stehen Andreas von Bechtolsheim, Hasso Plattner, die Würths und die Viessmanns. Für Unternehmer und Investor von Bechtolsheim lief es in den vergangenen Monaten besonders gut: sein Vermögen stieg um fast zehn auf knapp 28 Milliarden Euro.
Zahl der Milliardäre stagniert
Dem Studium der Liste der 500 reichsten Deutschen lassen sich auch einige soziale Dramen entnehmen: Anders als in den Vorjahren nimmt die Zahl der Milliardäre kaum noch zu. In diesem Jahr zählt das Magazin 257 und damit nur einen mehr als im Vorjahr. Im Jahr 2020 waren nur 189 und Anfang des Jahrhunderts sogar nur 69.
Autos und Software leiden – und deren Eigentümer
Um 3,1 Milliarden Euro verarmt ist in der diesjährigen Liste Familie Porsche. Tröstlich: Im Vorjahr lag der Verlust mit fast vier Milliarden Euro deutlich höher. Und außerdem verfügt man immer noch über 12,4 Milliarden Euro. Jeweils 2,8 Milliarden Euro leichter sind die Familien Klatten und Quandt sowie der Software-Unternehmer Georg Nemetschek.
Altem Geldadel droht (relative) Verarmung
Für Frustpotenzial dürfte unter den armen Reichen am Ende der Liste sorgen, dass es für den betuchten Kreis der 500 Reichsten in diesem Jahr bereits 440 Millionen Euro braucht. Vor zwei Jahren reichten noch 390 Millionen und 2018 sogar nur 350 Millionen Euro. Für die Top 100 müssen in diesem Jahr bereits 2,7 Milliarden Euro auf die Waage gebraucht werden, anno 2018 reichten noch zwei Milliarden Euro. Gründe dürften in der Vermögenspreisinflation und in einigen Newcomern zu finden sein, die mit ihren Start-ups den Sprung in die Reichstenliste schafften. Beispiele sind die Gründer von Trade Republic und Sum Up, die mit jeweils 800 Millionen Euro auf Platz 304 rangieren. Diese Neureichen sorgen nun dafür, dass der alte Geldadel gemessen an der Reichstenliste relativ betrachtet verarmt.
Eine Inspiration und Motivation für alle Family Officer enthält die Liste aber auch: Peter Harf darf bei der Vermögensmehrung der Familie Reimann nicht nur mithelfen, sondern mittlerweile auch mit eigenem Geld mitspielen: Dies brachte ihm eine halbe Milliarde Euro beziehungsweise Rang 449 ein.