Rund zwei Drittel aller Deutschen rechnen mit einer Erbschaft in Höhe von bis zu 250.000 Euro – dies ermittelte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Kontora Family Office GmbH. Wie die Erhebung außerdem ermittelte, haben nur 17 Prozent die eigene Vermögensweitergabe konkret geregelt und nur jeder Zehnte spricht in der Familie überhaupt regelmäßig darüber. Die Lücke zwischen Erwartung und Handlung ist das zentrale Ergebnis des Kontora Vermögensmonitors 2026.
Was das Gespräch über Erbschaften verhindere, sei selten fehlendes Wissen, sondern vor allem Emotionen: 38 Prozent nennen belastende Gedanken rund um Tod und Krankheit als Hauptgrund. 35 Prozent schieben das Thema schlicht auf. Familiäre Konflikte befürchten 21 Prozent. Nur 14 Prozent halten das Thema für zu komplex, der emotionale Widerstand überwiege den rationalen Aufwand bei Weitem. Dieses Muster gelte unabhängig von der Vermögenshöhe: Auch in Familien mit substanziellem Vermögen seien es zuerst die unausgesprochenen Fragen – nach Fairness, nach Verantwortung, nach dem, wozu das Vermögen eigentlich dienen soll – die einen geordneten Übergang erschweren. Die Frage, wozu Vermögen da ist und was es für die nächste Generation bedeuten soll, werde zu selten gestellt. „Dabei ist genau das der Ausgangspunkt jeder sinnvollen Übergabeplanung“, sagt Sybille Arnegger, Geschäftsführerin der Kontora Family Office GmbH.
„Für Familien, die Vermögen generationenübergreifend erhalten wollen, ist die frühzeitige Einbindung der Rising Generation, also derjenigen, die Vermögen einmal übernehmen werden, erfolgsentscheidend. Wer den Vermögensübergang als familiären Prozess gestalten möchte, sollte diese Perspektive früh einbeziehen – nicht nur in die rechtliche und steuerliche Planung, sondern vor allem in das Gespräch darüber, welche Werte und welchen Zweck das Vermögen tragen soll“, so Stephan Buchwald, Gründer und Co-CEO der Kontora Family Office GmbH.
Höheres Vermögen, höhere Komplexität
Für einkommensstarke Haushalte ermittelte die Umfrage ein deutlich anderes Bild als im Bevölkerungsdurchschnitt. Während im Gesamtdurchschnitt Geldvermögen (42 Prozent) und Immobilien (32 Prozent) das Erbe dominieren, ist das Portfolio in Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 6.000 Euro oder mehr erheblich diversifizierter: Wertpapiere werden von 18 Prozent der Befragten erwartet, Unternehmensbeteiligungen von mehr als zehn Prozent, doppelt so viele wie im Bevölkerungsdurchschnitt.
Zudem seien Bewusstsein und Gesprächsbereitschaft ausgeprägter: 44 Prozent dieser Haushalte berücksichtigen die Vermögensweitergabe stark bei eigenen Finanzentscheidungen, 17 Prozent sprechen regelmäßig in der Familie darüber. Und dennoch bestehe auch hier eine erhebliche Planungslücke und zeigt damit: mehr Bewusstsein führt nicht automatisch zu mehr konkreter Vorbereitung. „Je höher das Vermögen, desto stärker beeinflusst es bereits heute das Finanzverhalten, und desto größer ist der Bedarf an strukturierter Planung. Für Unternehmerfamilien und sehr vermögende Privatpersonen, deren Nachlass Gesellschafteranteile, Stiftungsstrukturen oder internationale Vermögenswerte umfasst, potenzieren sich die Herausforderungen, die wir in dieser Umfrage für die breite Bevölkerung sehen: Die emotionalen Hürden bleiben dieselben – die Konsequenzen eines ungeregelten Übergangs sind ungleich größer“, erklärt Sybille Arnegger.
Planung schafft Verständnis
Abschließender, aufschlussreicher Befund der Studie: Wer sich aktiv mit der eigenen Vermögensweitergabe befasst hat, versteht die rechtlichen Rahmenbedingungen deutlich besser: 42 Prozent derjenigen mit geregelter Nachfolge halten sie für gut verständlich, gegenüber nur acht Prozent ohne jede Planung. Verständnis sei damit keine Voraussetzung für den Einstieg, sondern dessen Ergebnis.
Civey befragte für Kontora im Mai rund 2.500 Bundesbürger ab 18 Jahre sowie rund 1.600 Bundesbürger, die geerbt haben oder mit einem Erbe rechnen. Die 2007 gegründete Kontora Family Office GmbH betreut heute rund 15 Milliarden Euro an Vermögen. Seit März 2025 ist Kontora Teil von Alti Tiedemann Global, einem laut Pressemitteilung international agierenden Multi Family Office mit einem verwalteten Gesamtvermögen von 92 Milliarden Dollar und mehr als 450 Fachleuten auf drei Kontinenten.