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Family Offices

Warum Unternehmer im Family Office umdenken müssen

Unternehmer sind es gewohnt, in Krisen einzugreifen. Im Family Office kann es dagegen richtig sein, nach gründlicher Prüfung nichts zu verkaufen. Das verlangt Vertrauen und klare Regeln.

Wer ein Unternehmen führt, ist es gewohnt, einzugreifen, wenn etwas schiefläuft. Preise ändern, Investitionen verschieben, das Geschäft neu ausrichten: Unternehmer können den Verlauf einer Krise beeinflussen. Diese Erfahrung prägt. Sie kann aber auch dazu verleiten, im eigenen Depot zu handeln, nur weil die Kurse fallen.

Bei der Geldanlage gelten andere Spielregeln. Hier zählt, wie das Vermögen insgesamt aufgestellt ist. Dazu gehört auch das Familienunternehmen. Wer sein Geld zusätzlich in Aktien derselben Branche oder Immobilien am eigenen Standort investiert, hält zwar verschiedene Anlagen, hängt wirtschaftlich aber womöglich an denselben Risiken. Breite Streuung soll diese Abhängigkeiten verringern. Ausreichende Liquidität schafft den Spielraum, auch eine längere Schwächephase durchzuhalten.

Für Streuung gibt es gute Gründe. Bessembinder und Kollegen untersuchten in einer 2023 veröffentlichten Studie mehr als 64.000 Aktien weltweit. Nur 2,4 Prozent der Unternehmen erklärten den gesamten Nettovermögenszuwachs gegenüber kurzfristigen US-Staatsanleihen zwischen 1990 und 2020. Wer auf wenige Titel setzt, läuft Gefahr, gerade die entscheidenden Gewinner zu verpassen. Daraus folgt allerdings nicht, dass jede aktive Aktienauswahl scheitern muss.

Im Single Family Office kommt eine weitere Frage hinzu: Was erwartet der Eigentümer eigentlich von seinem Manager? Der Unternehmer bestimmt als Prinzipal die Ziele und trägt die wirtschaftlichen Folgen. Der Manager handelt als Agent innerhalb seines Mandats. Er muss seine Entscheidungen gegenüber jemandem vertreten, der seinen Erfolg oft dem eigenen Eingreifen verdankt.

Das kann Druck erzeugen. Wer als Manager vor allem an sichtbarer Aktivität gemessen wird, muss sich für Abwarten womöglich stärker rechtfertigen als für einen Verkauf. Daraus kann ein Anreiz entstehen, etwas zu tun, obwohl die Anlagestrategie keinen Eingriff verlangt. Umgekehrt wäre es ebenso falsch, aus Sorge um die eigene Position Risiken zu meiden, die der Eigentümer bewusst eingehen will.

Deshalb gehört die Verständigung über den Umgang mit Verlusten in ruhige Zeiten. Ein Kurssturz allein ist noch kein Grund, die Strategie aufzugeben. Entscheidend ist, ob ihre Annahmen weiterhin tragen: Kann das Geld lange genug investiert bleiben? Reicht die Liquidität? Sind die erwarteten Erträge noch plausibel und die Risiken für die Familie tragbar?

Wenn Unternehmensausschüttungen ausfallen oder der Betrieb zusätzliches Kapital benötigt, kann sich die Ausgangslage ändern. Dann muss das Family Office neu rechnen und gegebenenfalls handeln. Bleiben die Grundlagen dagegen belastbar, sollte der Manager an der vereinbarten Strategie festhalten dürfen. Dazu gehört, die Zweifel des Eigentümers ernst zu nehmen und seine Entscheidung nachvollziehbar zu erklären. Auf eine Erholung zu hoffen, reicht als Begründung nicht.

Karl-Matthäus Schmidt (Gründer von Consors und Quirin Privatbank) beschreibt die unterschiedlichen Spielregeln für Unternehmer und Anleger anschaulich in seinem Linkedin-Beitrag (Schmidts Tagebuch): „Vom erfolgreichen Unternehmer zum erfolgreichen Anleger“ vom 12. Oktober 2026.