Hongkong hat erstmals die Schweiz als weltweit größtes grenzüberschreitendes Vermögenszentrum überholt. Nachzulesen ist das im Global Wealth Report 2026 der Boston Consulting Group (BCG): The Great Reordering (auf Deutsch: Die große Neuordnung).
Demnach stieg das in der Sonderverwaltungszone verbuchte grenzüberschreitende Vermögen im Vorjahr um 10,7 Prozent auf 2,9 Billionen US-Dollar. Getragen wurde diese Entwicklung von Zuflüssen aus Festlandchina, einer starken IPO-Aktivität sowie Kursgewinnen an den Aktienmärkten, wie die Analyse von BCG vor Augen führt.
Zwei Netzwerke ziehen das Geld an
Es wird deutlich, dass sich grenzüberschreitendes Vermögen zunehmend auf zwei globale Hub-Netzwerke konzentriert. Das eine werde von Hongkong und Singapur getragen und diene dem Kapital aus Festlandchina, Indien und Südostasien, heißt es. Das andere werde von der Schweiz, den USA und dem Vereinigten Königreich getragen und diene dem Vermögen aus Europa, dem Nahen Osten und Lateinamerika.
Singapur gilt als Asiens diversifiziertestes Offshore-Vermögenszentrum und konnte die Position laut BCG weiter ausbauen. Der Standort habe dabei von Kapitalzuflüssen in sichere Häfen sowie der anhaltenden Expansion seines Ökosystems für die Vermögensverwaltung profitiert.
Weltweites Finanzvermögen wächst um 10,7 Prozent
Laut dem Bericht ist das weltweite Finanzvermögen im vergangenen Jahr um 10,7 Prozent auf 333 Billionen US-Dollar gewachsen – und das trotz anhaltender Handelsspannungen, zollpolitischer Eskalationen und geopolitischer Instabilität. Unter Einbeziehung von Sachwerten kletterte das globale Nettovermögen auf fast 550 Billionen US-Dollar. Das grenzüberschreitende Vermögen wuchs weltweit um 8,4 Prozent auf 15,7 Billionen US-Dollar, wobei die zehn führenden Buchungszentren fast 90 Prozent der neuen Offshore-Zuflüsse auf sich vereinten.
„Diese Verschiebungen gestalten die Geografie des globalen Vermögens neu“, erklärt Michael Kahlich mit Blick auf die Entwicklung. Kahlich ist Managing Director und Partner bei BCG sowie einer der insgesamt 15 Autoren des Berichts. Er sagt, dass sich Vermögensbildung, grenzüberschreitende Kapitalströme und Investment-Ökosysteme zunehmend auf eine kleinere Anzahl global vernetzter Hubs konzentrieren würden. „Hongkongs Aufstieg spiegelt die wachsende Anziehungskraft asiatischer Vermögens- und Kapitalmärkte wider,“ wie Kahlich anmerkt.
So sehr variiert das regionale Vermögenswachstum
Das regionale Vermögen wächst mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten: Während Westeuropa mit 15,3 Prozent das stärkste Wachstum unter den großen Märkten verzeichnete – gestützt durch günstige Währungsentwicklungen und hohe Sparquoten der privaten Haushalte –, stieg das Finanzvermögen auf dem chinesischen Festland im Jahr 2025 um 15 Prozent. Es wird erwartet, dass das Vermögen bis zum Ende dieses Jahrzehnts jährlich um neun Prozent wächst.
In Nordamerika hat sich das Vermögenswachstum hingegen verlangsamt. Das Plus beträgt nunmehr 7,4 Prozent, wobei sich die Zuwächse auf eine kleine Gruppe großer Technologieunternehmen konzentrierten.
Der Report wirft auch einen Blick in die Zukunft. Demnach wird erwartet, dass die Schwellenländer bis zum Jahr 2030 ein zusätzliches Finanzvermögen von fast sieben Billionen US-Dollar generieren werden – angeführt von Indien, Brasilien und Mexiko. Für das Segment der Wohlhabenden und Vermögenderen – also Personen mit einem Finanzvermögen von über 250.000 US-Dollar – wird in diesen Märkten ein jährliches Wachstum von acht Prozent prognostiziert. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Zahl der Millionäre um mehr als eine Million anwachsen.
BCG sieht Asien vor der Bewährungsprobe bei generationsübergreifenden Vermögenstransfer
Der Bericht widmet sich auch dem Beginn des ersten großangelegten generationsübergreifenden Vermögenstransfers in Asien. In Singapur, Malaysia und Indonesien werden nach wie vor zwischen 40 und 50 Prozent der bedeutenden Unternehmen von ihren Gründern geführt – bei einem Durchschnittsalter der Unternehmensführung von über 70 Jahren. Da das Familienvermögen zunehmend geografisch gestreuter und strukturell komplexer wird, verlagert sich der Schwerpunkt der Nachfolgeplanung: weg von bloßen Erbschaftsentscheidungen hin zu umfassenderen Fragen der Unternehmensführung, der Eigentumsverhältnisse und der langfristigen Vermögensverwaltung.
„Familien begreifen die Nachfolge zunehmend als gestalterische Herausforderung und nicht mehr bloß als einmaligen Übertragungsvorgang“, sagt BCG-Partner Kahlich. „Jene Unternehmen, die ihre Kunden dabei unterstützen können, die Themen Governance, generationsübergreifende Abstimmung und langfristige Vermögensstrukturen erfolgreich zu bewältigen, werden die kommende Ära der Vermögensverwaltung in Asien prägen.“
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