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Aktien

Der Crash als Chance

Aktien performen, schütten aus, diversifizieren, sind gebührenarm – und haben aber auch eine gewaltige Fallhöhe. Ein Family Office und andere Experten beschäftigen sich mit dem Umgang mit der Downside und damit, wie im Fall des Aktien-Falles Hedgefonds nutzen.

Aktionär, was willst Du mehr? Über zehn Jahre waren zumindest mit dem MSCI World mehr als 230 Prozent zu verdienen und seit 2009 fast 700 Prozent – und zwar (abgesehen vom Ausnahmejahr 2022) ohne größere Rückschläge, ohne Illiquidität und ohne hohe Kosten. Aber: Die Folgen der jahrelangen Hausse machen sich in der Indexstruktur mehr und mehr bemerkbar in Form einer sehr hohen Konzentration auf Big Tech, die USA und den Dollar. Und muss nicht alles, was hoch steigt, eines Tages wieder herunterkommen? Was der Aktionär also außerdem will: ein zielführendes Management der Risiken.

Selbstredend beschäftigen sich auch viele Family Offices mit dieser Frage beziehungsweise wie man sich vorbereiten oder dann reagieren sollte. Dies gilt auch für Alexander Uhlmann, zuständig für die Kapitalanlagen eines Family Office aus Süddeutschland. „Uns gefallen die langfristigen Renditen, die der Aktienmarkt bietet. Ebenfalls schätzen wir die Möglichkeit, breit diversifizieren zu können. Die Familie hat ihr Unternehmen verkauft und hält nun Anteile an über tausend Unternehmen. Was wir aber an Aktien nicht mögen sind die Drawdowns.“ Dies berichtete Uhlmann Ende August auf einer Veranstaltung des Asset Managers First Private.

Wie sich Vola meiden lässt

Eine Möglichkeit, starke Rückgänge auf dem Aktienmarkt zu vermeiden, sind laufende Absicherungen, was auf Dauer jedoch recht kostspielig ist. Eine andere Möglichkeit ist, in Private Equity zu investieren, um weniger Vola in der Bewertung zu haben. Allerdings haben Aktien und Private Equity wirtschaftlich betrachtet das gleiche Risiko. Die dritte naheliegende Möglichkeit: In der Baisse Aktien prozyklisch zu verkaufen. Nachteilig ist hier jedoch, dass man die negative Performance nur reduziert und vor allem, dass es auch einen Plan braucht, wieder einen Weg zurück auf den Aktienmarkt zu finden. Möglichkeit Nummer 4: Nachkaufen. „Wir brauchen eine Anlagestrategie, die uns nach einem Kursrückgang beim Rebalancing hilft, also uns ermöglicht, wieder auf unsere Zielquoten zu kommen“, so Alexander Uhlmann.

Mehr Private Equity, mehr Cash

Studiert man einschlägige Studien ist Uhlmann nicht der Einzige, der sich mit der Crash-Thematik und Reaktionsmöglichkeiten beschäftigt. Genau genommen sind es sogar viel mehr Family Offices als früher. Fast schon unisono berichten Roland Berger und die UBS in ihren Studien, dass sich Family Offices nun in großer Mehrheit mit geopolitischen Umbrüchen konfrontiert sehen. Dies schlägt sich in SAA-Readjustierungen nieder. Wie Roland Berger ermittelte, wollen Family Offices höhere Quoten in Private Equity und Cash investieren. Außerdem gaben mit 45 Prozent noch etwas mehr Family Offices gegenüber dem Berater an, dass die Ausrichtung an den Risikoeinstellungen der Familie an Relevanz gewonnen hat. Schließlich würden die volatilen Märkte nun eine aktivere Positionierung erfordern.

Die UBS interpretiert die Angaben ihrer Befragten dahingehend, dass diese sich auf einen längeren Zeitraum mit erhöhten und miteinander verknüpften Risiken vorbereiten. Family Offices würden sich darauf konzentrieren, in einer breiteren und komplexeren Risikolandschaft Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Diese Überlegungen scheinen für die Studienautoren in einen integrierten Risikomanagement-Ansatz zu münden, der die Widerstandsfähigkeit des Portfolios und die Flexibilität zur Anpassung an verschiedene Szenarien fördert.

Voraussetzung für Flexibilität ist Liquidität. Zwar bleiben, wie der UBS-Studie zu entnehmen ist, private Vermögenswerte wenig überraschend nach wie vor ein wichtiger Bestandteil vieler Portfolios. Private Assets machen 42 Prozent der Allokationen von Family Offices aus. Gleichzeitig bekommen in der Anlagestrategie 2025 Themen wie Liquiditätsengpässe, Bewertungsunsicherheit und Konzentrationsrisiken eine größere Aufmerksamkeit. „Anstatt sich aus den privaten Märkten zurückzuziehen, scheinen Family Offices vielmehr das Ausmaß ihres Engagements und dessen Strukturierung zu verfeinern, während sie sich weiterhin auf die öffentlichen Märkte stützen, um Flexibilität, Liquidität und Renditepotenzial zu sichern“, so die UBS.

Überlegungen zur SAA

Ein großer Teil der Family Offices scheint sogar gewillt, einen noch größeren Schritt zu gehen. Vor dem Hintergrund der aktuellen makroökonomischen Unsicherheit überdenken Family Offices derzeit ihre langfristige Positionierung, berichtet die UBS. 60 Prozent der Family Offices geben in der diesjährigen Studie an, dass sie in den nächsten zwölf Monaten Änderungen an ihrer Vermögensallokation planen. In den Vorjahren waren es grob nur die Hälfte. Die langfristige Positionierung soll sich also an ein sich wandelndes Umfeld anpassen. Sehr gewillt, Veränderungen an der SAA vorzunehmen, sind übrigens mit 67 Prozent Family Offices aus Europa. Dagegen planen nur 21 Prozent der amerikanischen Family Offices Änderungen an der SAA. Ein möglicher Grund für diese Diskrepanz: Die Europäer sind mehr in den USA als umgekehrt investiert.

Lauscht man jedoch den Ausführungen eines ehemaligen und langjährigen Chief Investment Officers eines großen deutschen Family Offices zu Anlagestrategien und Risikomanagement, droht bei SAA-Änderungen eher die Gefahr, dass man das Kind mit dem Bade ausschüttet. Wie der Experte erläuterte, sollte bei Multi-Asset-Portfolios der Fokus des Anlegers grundsätzlich der SAA-Ebene und der Einhaltung der Quoten gelten. „Langfristige Anleger werden für die Übernahme von Marktrisiken vergütet. Also muss es darum gehen, dauerhaft Marktrisikoprämien einzusammeln. Was zählt ist nicht das Timing der Märkte, sondern die Time in the Market“, erläuterte der ex-CIO. Auf was es also ankommt, ist Durchhaltevermögen. Dieses wiederum hängt in Verlustphasen von folgenden Voraussetzungen ab: Risikotragfähigkeit, eine starke Governance, keine Auszahlungserfordernisse zu haben und eine starke Psyche sowie langfristig Wirtschaftswachstum.

Hedgefonds statt Bonds

Traditionell dienen Anleihen für das Ausgleichen der Aktien-Volatilität. Bonds als Diversifikator zu Aktien einzusetzen, funktioniert aber nicht immer. Im Jahr 2022 waren die Renditen zu niedrig für eine Anleihen-Upside oder zumindest für eine stabilisierende Wirkung. Heute sind die Renditen zwar höher. Das Problem liegt jedoch nicht in der Renditehöhe, sondern in deren Ursachen: steigende Staatsverschuldung, Inflation und die den Markt flutenden Emissionen der KI-Hyperscaler. Das Family Office setzt darum nicht auf Bonds, sondern auf Hedgefonds. „Und zwar auf Hedgefonds-Strategien, die echte Diversifikation bieten“, sagte Uhlmann. Nicht gemeint seien beispielsweise Hedgefonds mit Long-Short-Equity-Ausrichtung.

Zum Anforderungsprofil zählt neben Diversifikation für Uhlmann in diesem Fall auch die Möglichkeit zur Liquidation. „Gatings wären nicht hilfreich. Wir wollen im Fall eines Crashs möglichst schnell aus Hedgefonds rauskommen, um dann Aktien kaufen zu können. Klar ist uns aber auch, dass sich nicht jede Hedgefonds-Strategie liquide darstellen lässt.“ Uhlmann ergänzte, dass es keine Liquidität auf täglicher Basis bedürfe. Weitere Bedingung ist für Uhlmann übrigens zudem, dass die Strategien in Euros gehandelt werden, um Dollar-Risiken zu meiden. Fremdwährungsfonds könne man allerdings auch in einem separaten Geschäft absichern.

Hedgefonds machen für Family Offices natürlich nicht nur als Werkzeug für die Aktienquoten-Steuerung Sinn, sondern auch als langfristiger Bestandteil der SAA. „Family Offices mögen Hedgefonds, weil diese in allen makroökonomischen Gegebenheiten performen können. Das Dilemma von Aktien, Private Equity, Credits und Immobilien ist, dass diese Asset-Klassen nur dann stark performen, wenn es der Wirtschaft gut geht“, so der oben erwähnte ex-CIO. Vom konjunkturellen Rückenwind, aber auch von vielen Innovationen oder auch Unterbewertungen kann man aber nur profitieren, wenn man auch strategisch in diesen Asset-Klassen investiert ist.