Unter allen Investorengruppen, die professionelle Geldanlage betreiben, sind Family Offices in einer besonders beneidenswerten Position. Denn sie haben auf der einen Seite Zugang zu Kapital, das als besonders geduldig gilt. Damit stehen ihnen die Türen offen zu langfristigen und höher rentierlichen Kapitalanlageformen.
Andererseits sind die Gründer der Family Offices in der Regel höchst erfolgreiche Unternehmer, die nach dem Verkauf ihres Lebenswerks wohlhabend geworden sind. Und dieser Personenkreis ruht sich eher nicht auf dem Erreichten aus, sondern sucht auch in der Kapitalanlage nach Erfolg, weshalb risikoarme Staatsanleihen zwar auch Teil ihrer Vermögensallokation sein können, aber die Renditeerwartungen an anderer Stelle gestillt werden.
Last but not least unterliegen Family Offices keiner Regulierung, wie das beispielsweise bei deutschen Lebensversicherungsgesellschaften oder Pensionskassen der Fall ist. Auch das spiegelt sich in der Vermögensallokation wider.
Studie gibt Einblick in die Anlagepläne von Family Offices
Einblick in das Wirken von Family Offices gibt nun der Global Family Office Report 2026, den die UBS am 28. Mai 2026 veröffentlicht hat. Die Untersuchung basiert auf einer weltweiten Befragung der Family-Office-Kunden der größten Universalbank der Schweiz.
Der Bericht stützt sich auf eine Umfrage unter 307 Family Offices aus über 30 Märkten mit einem durchschnittlichen Nettovermögen von 2,7 Milliarden US-Dollar. Stattgefunden hat die Befragung zwischen dem 22. Januar und dem 30. März 2026.
Laut dem Global Family Office Report 2026 haben sich in den Organisationen geopolitische Konflikte sowohl kurz- als auch langfristig zum dominierenden Risiko entwickelt, während die Sorgen hinsichtlich der globalen Verschuldung und drohender Rezessionen zunehmen. Als Reaktion darauf verfolgen Family Offices einen besonnenen, mittelfristig ausgerichteten Ansatz: Sie räumen der Diversifizierung über verschiedene Anlageklassen, Währungen und Regionen hinweg Priorität ein, anstatt abrupte Umschichtungen vorzunehmen.
Den Blick auf ihre Kapitalanlagen gerichtet, setzen sie verstärkt auf Resilienz, Diversifizierung und langfristige thematische Anlagechancen. Demnach will eine Mehrheit von 60 Prozent (im Vorjahr: 35 Prozent) der Family Offices in den kommenden zwölf Monaten Änderungen ihrer strategischen Asset-Allokation vornehmen.
Family Offices in Europa (ohne die Schweiz) gehören zu den aktivsten Akteuren bei der Überprüfung ihrer Portfolios: Hier sind es 67 Prozent, die strategische Anpassungen der Allokation planen. Das sei im regionalen Vergleich einer der weltweit höchsten Werte.
Bei dieser Investorengruppe macht Nordamerika mit einem Anteil von 45 Prozent weiterhin den größten Allokationsanteil aus. Zugleich streben europäische Investoren aktiv eine Neuausrichtung zugunsten Westeuropas und des asiatisch-pazifischen Raums an; dies spiegelt laut UBS das strategische Bestreben wider, Konzentrationsrisiken zu verringern.
Wenn wir nun wieder alle Family Offices der Untersuchung in den Blick nehmen, zeigt sich, dass Anlagen in den entwickelten Märkten weiterhin das Rückgrat der Portfolios bilden.
| Traditionelle Anlageklassen | 2025 | 2026 (geplant) |
| Fixed Income (entwickelte Märkte) | 14 % | 14 % |
| Fixed Income (Schwellenländer) | 3 % | 3 % |
| Aktien (entwickelte Märkte) | 27 %
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27 %
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| Aktien (Schwellenländer) | 5 % | 6 % |
| Bargeld oder bargeldähnliche Instrumente | 9 % | 8 % |
| Summe | 58 % | 58 % |
| Alternative Anlageklassen | 2025 | 2026 (geplant) |
| Private Equity (Direktinvestments) | 8 % | 8 % |
| Private Equity (Fonds, Dachfonds) | 9 % | 9 % |
| Private Debt | 3 % | 3% |
| Hedgefonds | 6 % | 6 % |
| Immobilien | 11 % | 8 % |
| Infrastruktur | 1 % | 2 % |
| Edelmetalle | 2 % | 3 % |
| Rohstoffe | 1 % | 1 % |
| Kunst und Antiquitäten | 1 % | 1 % |
| Summe | 42 % | 41 % |
Zugleich verschieben sich die Allokationen allmählich hin zu Aktien aus Schwellenländern und alternativen Anlagen wie Infrastruktur. Weniger gefragt sind Immobilien. Hier reduzieren Family Office ihre Bestände.
Parallelen zu institutionellen Investoren nehmen zu
Ähnlich wie bei institutionellen Investoren streuen Family Offices ihren Portfolios über Anlageklassen, Regionen und Währungen. Zwei von drei Befragten (65 Prozent) erwarten eine Abschwächung der Rolle des US-Dollars als globale Reservewährung und prüfen verstärkt Alternativen wie Euro und Schweizer Franken.
Viele von ihnen erwägen demnach eine Reduzierung ihres Engagements im US-Dollar oder planen eine regionale Diversifizierung; nordamerikanische Vermögenswerte machen jedoch nach wie vor eindeutig den größten Anteil der Allokationen aus, wie Benjamin Cavalli, Head of Strategic Clients & Global Connectivity bei UBS Global Wealth Management anmerkt.
Künstliche Intelligenz (KI) hat sich bei Family Offices als führendes Anlagethema etabliert: 65 Prozent sind bereits entlang der gesamten Wertschöpfungskette investiert, etwa in Infrastruktur, Software und Halbleiter, und planen, ihr Engagement beizubehalten oder auszubauen. Laut dem Bericht investieren Family Offices auch in die Bereiche Energie und Ressourcen (37 Prozent), Infrastruktur (37 Prozent) sowie KI-gestützte Gesundheitsversorgung (33 Prozent), da sie das umfassendere Ökosystem anerkennen, das zur Unterstützung und Skalierung der KI-Einführung erforderlich ist.
Im Gegensatz dazu bleiben Krypto- und Digital-Assets eine Nischenanlageklasse: Lediglich 24 Prozent der Family Offices sind in diesem Bereich investiert – und dies typischerweise in einem niedrigen einstelligen Prozentbereich. Bei denjenigen, die investiert sind, fallen die Allokationen jedoch meist moderat aus (rund ein Prozent); dennoch betrachten mittlerweile 44 Prozent Krypto als festen Bestandteil ihrer strategischen Vermögensallokation.
Laut dem Report haben viele Family Offices auf operativer Ebene Praktiken aus dem Bereich der institutionellen Kapitalanlage übernommen: 68 Prozent verfügen demnach über formelle Prozesse zur Messung der finanziellen Performance, 60 Prozent arbeiten mit Anlageausschüssen und mehr als die Hälfte nutzt strukturierte Budgetierungsrahmen – laut UBS ein Beleg für das zunehmende Maß an Strenge und Aufsicht.
Während Family Offices ihre Investmentaktivitäten also weiter professionalisieren, hebt der Bericht fortbestehende Lücken in den Governance-Rahmenwerken, der Nachfolgeplanung sowie der Einbindung der nächsten Generation hervor. Das seien Umstände, die potenzielle Risiken für die langfristige Kontinuität bergen. Das betrifft insbesondere den bevorstehenden globalen Vermögenstransfer, den die Bank erst kürzlich thematisiert hatte.
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